Einheit in der Vielfalt

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elihu
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Einheit in der Vielfalt

Beitrag von elihu » 19.06.2005, 06:15

Zu Thema der "Einheit in der Vielfalt" möchte ich einen Ausschnitt aus meinem Buch "Elihu; Hinterlassene Aufzeichnungen aus der Ewigkeit" beisteuern und hoffe, dass sie Anlaß zu Überlegungen gibt.
Liebe GrĂŒĂŸe
Wolfgang Wallner-F.
PS.: Bitte beachtet das Copyright, wenn Ihr die Geschichte aber eventuell verwenden wollt, könnt Ihr mir ja schreiben, was ich auch sonst hoffe.
Also los gehts:

Rechts und links vom Gelben Fluss

Der Gelbe Fluss hatte seine Quelle an dem Platz, an dem die Sonne aufging und er erreichte das Meer in Richtung Sonnenuntergang. Am linken Ufer des Gelben Flusses lebte das Denken, am rechten wohnte das FĂŒhlen.

Mit der Mittagssonne im RĂŒcken sah Denken ĂŒber den Gelben Fluss. Dort erkannte es erstmals im Gras einen dunklen, wunderschönen, aber unförmigen Schatten, der sich scheinbar wohlig am Ufer entlang ausbreitete. Denken wollte unbedingt wissen, was dort war. Noch nie hatte es etwas gesehen, das ihn in Ă€hnlicher Weise interessierte. Denken war sehr gescheit und wusste natĂŒrlich alles ĂŒber die Naturgesetze und so vermutete es zunĂ€chst, dass dieser Schatten vom ihm selbst erzeugt wurde. Diese Vermutung erwies sich auch als richtig, denn wenn es sich bewegte, bewegte sich der Schatten. Seltsam war allerdings, dass es bei Bewegungen des Schattens eine Unruhe in sich feststellte, die nur durch einen Reflex zu beenden war. Denken musste unbedingt erfahren, was es mit diesem Schatten auf sich hatte und es rief ĂŒber den Fluss: „Guten Tag, schöner Schatten. Wer bist Du?“ Doch es kam keine Antwort.


Der Gelbe Fluss hörte diese Frage. Er, der schon ewig dort sein Bett hatte, schon viel lĂ€nger, als es Denken und FĂŒhlen gab, hatte schon lange auf diesen Kontaktversuch gewartet. Es konnte einfach nicht richtig sein, dass auf seiner linken Seite sich etwas derart Helles befand, das durch ihn gehindert wurde, sich mit dem Dunklen auf seiner rechten Seite zu verbinden. FrĂŒher war er sich keines seiner beiden Ufer bewusst gewesen. Es war eigentlich so gewesen, dass er ĂŒberhaupt keine Ufer besessen hatte. Erst als Denken und FĂŒhlen auftauchten, musste er ein Bett benĂŒtzen. Er ahnte, dass Denken und FĂŒhlen Ablagerungen seiner Selbst und nur durch seine Anwesenheit entstanden waren:
„FĂŒhlen kann nicht sprechen“, raunte er Denken zu.

„Was ist FĂŒhlen?“ fragte Denken.

„FĂŒhlen ist etwas, das nicht denken kann. Wenn es denken könnte, bestĂŒnde die Gefahr, das es vernichtet wird.“

„Wie kann etwas existieren, das nicht denken kann?“ wollte Denken wissen.

„Ich habe dir schon gesagt, dass FĂŒhlen, so wie es ist, nur ohne denken sein kann. Es ist ganz einfach da, eigentlich genau so, wie du da bist“, antwortete der Gelbe Fluss.

„Es ist doch nicht möglich, dass ich ganz einfach nur da bin. Ich muss doch einen Anfang gehabt haben. Wie lange bist du schon da?“ wollte Denken wissen.

„Ich habe keine Ahnung. Erst seit du und FĂŒhlen hier seid, kann ich die Zeit messen. Je mehr ihr beide zunehmt, umso mehr Zeit ist vergangen. Ich war auch vorher da, nur kann ich darĂŒber keine Aussage machen. Ihr beide seid eigentlich nur meine Ausscheidungen, aber ohne euch hĂ€tte ich keine Ufer und niemand, auch du nicht, könnte mich wahrnehmen. Genau genommen existiere also auch ich nur deswegen, da es euch gibt.“

„Ich muss unbedingt FĂŒhlen kennen lernen. Alle Erscheinungen an deinen Ufern muss ich ergrĂŒnden. Wenn ich nicht wissen kann, bin ich tot.“

„Ich kann dir nur sagen, dass der Schatten unstillbare Sehnsucht nach dir hat. Liebevoll sendet er mir tĂ€glich diese Nachricht und ich verstehe nicht, dass du FĂŒhlen erst jetzt entdeckt hast. Alle Naturgesetze sind ohne Urgrund, wenn es dir am FĂŒhlen mangelt. Die Sonne, die mit dir leuchtet, verbrennt alles ohne den Schatten“, sagte der Fluss.

„Ich will FĂŒhlen aber nicht töten. Du sagtest doch, dass durch denken das FĂŒhlen sterben kann. Wenn ich FĂŒhlen tötete, hĂ€ttest du auf einer Seite kein Ufer und wĂŒrdest dich so lange dorthin ausbreiten, bis auch ich kein Ufer mehr wĂ€re. Dann gĂ€be es auch mich nicht mehr. Andererseits bin ich so begierig, FĂŒhlen zu kennen. Seit dem ich weiß, dass es FĂŒhlen gibt, denke ich, ohne FĂŒhlen kann ich nie mehr wissen. Selbst auf die Gefahr hin, FĂŒhlen zu töten, muss ich wissen“, antwortete Denken, „kannst du uns nicht helfen, zusammen zu kommen?“

„Ich werde es versuchen. Doch bedenke immer, dass auch du durch das FĂŒhlen sterben kannst“, gab der Fluss zu denken und trat aus seinen Ufern.

Er schwemmte die Helligkeit des Denkens und die Dunkelheit des FĂŒhlens mit sich. Einige Zeit und einige Wegstrecke war in der Mitte des Flusses eine scharfe Begrenzung der beiden LichtzustĂ€nde zu sehen, doch die Grenze verwischte sich immer mehr, bis beide in der Farbe des Gelben Flusses verschmolzen. Denken bemerkte das FĂŒhlen und FĂŒhlen konnte erstmals etwas ĂŒber sich mitteilen. Beide achteten einander, fĂŒhlten und wussten, dass sie ohne den anderen nicht auskommen könnten, doch ahnten auch, dass keiner von beiden Macht ĂŒber den anderen ausĂŒben sollte. Nur im Gleichgewicht, mit gleicher Bedeutung, war ein Zusammensein möglich. Wenn Denken versucht hĂ€tte, seine Macht zu zeigen, wĂŒrde FĂŒhlen immer stĂ€rker und bald Denken ĂŒberfluten. Umgekehrt hĂŒtete sich FĂŒhlen, zu stark zu werden, um Denken nicht herauszufordern, seine Kraft zu zeigen. Nur wenn sich beide in Wissen und Liebe umschmeichelten, war ihre Existenz sicher. Und nur dann hatte der Gelbe Fluss die Kraft, sĂ€mtliche Hindernisse zu ĂŒberwinden.

Als FĂŒhlen und Denken nunmehr ganz in dem Gelben Fluss aufgingen und es eigentlich nur mehr den Fluss gab, erreichten sie den Sonnenuntergang und das Meer nahm sie erwartungsvoll und liebevoll auf.

Der Gelbe Fluss wusste, dass es eigentlich immer so gewesen war.

Freue mich auf (positive?) Reaktionen
Wolfgang Wallner-F.
Elihu
(alias Wolfgang Wallner-F.
Schriftsteller aus Wien, siehe eigene Homepage)

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Phygranimus
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Beitrag von Phygranimus » 18.07.2005, 18:35

=> Eine interessante Parabel ĂŒber die AnfĂ€nge des Bewußtseins im Sein !
Es fehlt noch die UnschÀrfe, der Antrieb und "Zufallsgenerator" des
Lebens.
Der Fluß ist eine Zeitlinie, die noch sehr wenig UnschĂ€rfe freigegegeben hat.
Denn es ist die UnschĂ€rfe, die Denken und FĂŒhlen das Sein "erlaubt",
ohne diese stirbt sofort alles Sein.
Der Mensch ist an manchen ( vielen ) Orten dabei die UnschÀrfe zu
standartisieren und macht vieles krank, oft bis es stirbt.

Gast

Beitrag von Gast » 18.07.2005, 22:49

Wieso ist es die UnschĂ€rfe, die Denken und FĂŒhlen erlaubt? (Antwort bitte in verstĂ€ndlichem Deutsch)

Zum Wohl

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Phygranimus
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Beitrag von Phygranimus » 20.07.2005, 19:06

Erst, die UnschĂ€rfe erlaubt ĂŒberhaupt alle Dinge, welche möglich sind und lĂ€ĂŸt
uns Unterscheidungen und Wahrnehmungen im Sein erkennen.
Nach meiner Theorie gibt es positive und negative UnschÀrfe ( wie z.B. links-
und rechtsdrehende MilchsÀure ).
In jedem Ding der Natur steckt die UnschÀrfe !
( z.B. ist kein Blatt eines GewÀchses, wie das andere )
Erst diese UnschĂ€rfe hat GefĂŒhle und Bewußtsein erweckt !
Die Wissenschaft kann die UnschÀrfe nicht erklÀren . Sie "schlief" vor Gottes Geburt im ungeordneten Nichts und wird nach dem Zusammenziehen aller
Zeitlinien auch wieder dort integrieren !

Eigentlich ist diese Energie das Einfachste im Kosmos;
=> lĂ€ĂŸt aber das komplexeste entstehen !

Wohl bekomms` ! ( mit dieser Antwort )

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