Schwierige Trennung

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Bifi82
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Schwierige Trennung

Beitrag von Bifi82 » 23.09.2015, 12:20

Hallo,

ich fange mal am besten von vorne an, ich hatte mit meinem Ex eine sehr sehr schwierige Beziehung. Er war mindestens einmal (eher zweimal) wöchentlich sehr betrunken und auch Drogen waren im Spiel. Wir haben uns in dieser Beziehung ziemlich kaputt gemacht und dennoch habe ich mich zu ihm sehr verbunden gefühlt. Wenn wir Streit hatten (oder er wieder zwei Tage einfach nicht heim kam, war es jedes Mal wie ein Drogenentzug für mich. Er hat mich immer wieder sehr verletzt, ich habe ihn sowohl finanziell, als auch moralisch unterstützt, dennoch hat er mir oft enttäuscht, sich an Versprechungen nicht gehalten usw., auch körperliche Gewalt war mit im Spiel. Ich will mich jetzt nicht aus der Verantwortung rausnehmen, ich habe auf andere Art und Weise auch für Reibungen gesorgt.
Ich bin mir sicher, dass er mich bis zu Letzt geliebt hat, er ist voller Probleme. Als die Beziehung für mich jedoch unerträglich wurde, habe ich ihn vor die Türe gesetzt (zuletzt hat er mich leicht gewürgt und das hat mir den Rest gegeben)...
Ich muss sagen, am Anfang war es gar nicht so schlimm für mich, ich dachte ich hätte mehr Mitleid mit ihm, als da noch romantische Gefühle im Raum stünden. Dann fingen die Träume an, als er seine Möbel holen kam, war ich bei meiner Schwester und mich hat es im ganzen Körper durchzuckt.
Ich war bei der Wahrsagerin (der ich sehr vertraue), sie hat gesehen, dass er mich sehr geliebt habe mich aber auch umgebracht hätte (auf welche Weise auch immer). Ich träume seither jede Nacht von ihm (das er mich betrügt, was er auch gemacht hat) und noch weitere Träume. Als wir noch in einer Beziehung waren, habe ich mal geträumt, er würde meine ganze Familie umbringen. Ich bin total durcheinander.. Am Anfang ging es mir gut, jetzt wird es immer schlimmer... Ich denke täglich an ihn.. Ich war sein Halt und ich musste ihn loslossen! Ich habe mir auch therapeutische Hilfe genommen, da mir bewusst ist, dass ich um eine solche Beziehung zwei Jahre aufrecht zu erhalten, Probleme habe, aber dennoch verstehe ich nicht, was mich so dermaßen an diese Person band und immer noch bindet. Und ich bin die einzige, die denkt, dass er mich geliebt hat und immer noch liebt (er ist seither komplett abgestürzt), aber insbesondere die Art, wie er manchmal geschaut hat, als ob ich wirklich ganz kurz einen Einblick in sein Inneres bekommen hätte (kann man sich das wirklich einbilden?
Wir haben nicht mehr über unsere Trennung gesprochen, ich gehe seitdem sämtliche Locations, wo ich ihn treffen könnte so gut wie möglich aus dem Weg..
Was haltet ihr davon ? Was hat das alles zu bedeuten? Liegt es wirklich nur an meiner Störung? Ich habe so was noch nie erlebt...

ramalon
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Beitrag von ramalon » 23.09.2015, 15:33

Hallo Bifi82,

das was du durchmachen musstest war hart. Seelisch hast du dich nicht von ihm getrennt, noch hast du es aufgearbeitet.
Daher Deine Träume, bzw. Alpträume.

Dass er Dich und deine Familie umbringen wird, zeigt dass Du noch eine enorme Angst vor ihm hast. Die Aussage der Wahrsagerin hat auch ihren Einfluss in Deinen Träumen.

Ich würde Dir raten, schließe Dich einer Selbsthilfegruppe an, lass die Finger von der Wahrsagerin, und arbeitete das Erlebte auf.

Dass er zu Deiner Zeit fremd gegangen ist, und du hast es gespürt, ist sehr gut möglich.
Du hast Dich mit ihm verbunden, heißt aber lange noch nicht, dass er Dich geliebt hat.
Verbindungen aufbauen kann man auch einseitig. Spreche aus Erfahrung.

Zu Drogenabhängigen und Alkoholikern kann ich nur sagen, dass sie nur noch ihre Sucht kennen. Nichts im Leben hat sonst noch einen Wert.
Es ist kein Platz für Liebe, denn die Sucht beherrscht alles.
Bei einigen hat man das Gefühl es handelt sich um Psychopathen, in ihnen stecken zwei Seiten, zwei Seelen. Nüchtern die liebsten Menschen, unter Drogen oder Alkohol sind es Monster.
Lasse Dich davon nicht täuschen, denn der liebe Mensch versucht nur an Geld für die Drogen zu bekommen. Die Sucht führt dabei Regie.

Der Wahrsagerin muss ich da wieder Recht geben, das ein Umgang mit ihm zum Tode führen kann. Diese Menschen haben sich nicht unter Kontrolle. Nur es bringt die Logik mit sich.
Wenn er Dich geliebt haben sollte, dann vor seinem Alkohol und Drogenkonsum.
Sollte er schon an der Flasche gehangen haben, wie du ihn kennen lerntest, hat er nur eine Dumme gesucht.

Alles zusammengefasst. Er liebt Dich nicht, du kannst ihn nicht loslassen und bei neuem Kontakt bringst Du Dich und Angehörig extrem in Gefahr.

Lass Deine Finger vom ihm, und arbeite das Erlebte auf.
Beschäftige Dich nicht weiter mit ihm, denn es ist wirklich Zwecklos.
Beginne ein neues Leben.

Gruß ramalon

Bifi82
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Beitrag von Bifi82 » 23.09.2015, 16:31

Danke für die Antwort:

Ich muss mir wohl auch jetzt langsam eingestehen, dass ich noch nicht so weit bin, wie ich anfangs dachte! Er hat schon von Anfang an viel getrunken, das Trinken hat er etwas reduziert und dafür hat er am Wochenende dann exzessiv gefeiert und am Wochende des Öftern Drogen konsumiert (wobei ich bei letzterem - noch - nicht von einer Abhängigkeit sprechen würden).
Der Traum mit meiner Familie war in unserer Beziehung.
Natürlich hast du Recht, und ich muss mit ihm abschließen. Anfangs waren sicher Gefühle von seiner Seite. Aber im Laufe der Zeit wird es wahrscheinlich wirklich einfach nur das bequeme und warme Nest gewesen sein, dass ihn noch an mich gebunden hat. Es ist einfach unfassbar traurig, dass Menschen einen so in Augen lügen können. Das Paradoxe ist, mein absoluter Traummann wurde zum richtigen Alptraum (jedoch auch für uns beide)

Ravenna
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Beitrag von Ravenna » 23.09.2015, 16:54

Es ist furchtbar, wenn man feststellen muss, dass ein geliebter Mensch, wie bei dir dein Traummann einen entteuscht und ausgenutzt hat.

Was das Thema Sucht angeht. du sagtest, er ist alkoholsüchtig, nimmt ab und zu Drogen, aber du glaubst, das dass mit den Drogen noch keine Sucht ist.
es ist so, dass wenn man einmal von irgendetwas süchtig ist( oder war), dass man dann von anderen dingen von denen man eigentlich nicht süchtig ist schneller süchtig wird, als jemand, der von nichts anderem Süchtig ist( oder war). Also könnte das mit den Drogen doch ein größeres Problem sein.

lass die Finger von ihm. Und so standartmäßig wie es auch klingen mag. aber :" Andere Mütter haben auch hübsche ( und nette) Söhne" es ist echt so :sunny: :sunny: :sunny:

Viele Grüße und ganz viel Kraft und Hoffnung Ravenna

Bifi82
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Beitrag von Bifi82 » 23.09.2015, 17:00

Dass Süchtige schneller von anderen Dingen süchtig werden, wusste ich nicht! Es würde jedoch einiges erklären.

Ich danke Dir für Deine Worte... ;-)

und... die Zeit heilt auch alle Wunden... bis dahin können die schönen Söhne noch warten :-) Ich wünsche Dir einen schönen Abend!

ramalon
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Beitrag von ramalon » 23.09.2015, 19:16

Hallo Bifi82,

denke eher, dass er von Anfang an Alkoholiker war.
Das Chema, wenn die etwas erreichen wollen ist: Sie reißen sich zusammen, und wenn sie das haben, was sie wollten, fallen sie in den alten Trott zurück.

Du solltest Dir auch eingestehen, dass er keine Gefühle für dich hatte, sondern nur ein warmes Nest gesucht hat.
Ich weiß aus meinem Umfeld, das diese Menschen nach einer gescheiterten Beziehung die nächste suchen. Man muss oft stauen wie schnell sich etwas Neues findet.

Das mit dem Lügen:

Man muss diese Menschen versuchen zu verstehen. Es ist die Sucht, für nichts anderes ist Platz im Leben. Die Sucht bestimmt das Denken und Handeln.
Alles andere ist unwichtig und nur Mittel zum Zweck.
Süchtige benutzen die Menschen. Solange sie es nicht begriffen haben, das sie absolut keine Kontrolle mehr über ihr Leben haben, solange ist ihnen auch nicht zu helfen.
Auch wenn diese eine Entziehungskur machen, so sollten sie es von sich aus machen, und nicht weil andere Menschen nerven. Dann fehlt die Einsicht.

Ein Bekannter von mir, ist aus der Entziehungskur gekommen, und das hatte er erst einmal gefeiert.
Vom Bahnhof direkt in die Kneipe.

Du kannst nur etwas für dich machen. Lass ihn los, beschäftige dich nicht mit ihm.
Versuche es aufzuarbeiten. Suche dir Hilfe.
Um Erlebte zu verarbeiten ist es besser du bist nicht alleine. Du weißt vielleicht, dass das Reden darüber schon hilft.
Es gibt viele Frauen, aber auch Männer die die gleichen Erfahrungen gemacht haben.

Und eines tue dir nie an. Suche den Fehler nicht bei Dir um ihn zu entschuldigen.
Hast du schon oft gemacht ich weiß.

Nichts gegen das Forum, aber für Dein Problem ist die Esoterik keine Hilfe, eher das Gegenteil. Auch mit der Wahrsagerin, suche nicht anderweitig sondern in Dir.
Überdenke Deine Situation, aber sei absolut ehrlich zu Dir.
Neutral und nichts entschuldigen.

Es ist Deine Psyche die dir zu schaffen macht. Du musst jetzt erst einmal mit dir im Reinen sein.
Das mit den Träumen, da muss ich die leider sagen, es wird weniger, aber du wirst vieles nie wieder los. Einiges bleibt dir dein Leben lang. Dann wird ab und zu mal etwas von dem Erlebten wieder hochkommen. Aber je weiter der Abstand, desto weniger schlechte Träume.
Deswegen solltest du versuchen Dich innerlich von ihm zu trennen. Das ist der erste Schritt.

Gruß ramalon

Bifi82
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Beitrag von Bifi82 » 24.09.2015, 08:30

Guten morgen,

ich muss Dir mit einem widersprechen. Mein Vater z.B. war/ ist (wie differenziert man das?) auch Alkoholiker. Aber er war sehr wohl fähig zu lieben und seine Sucht hintan zu stellen (und zwar für uns Kinder). Natürlich hat seine Krankheit auch Spuren hinterlassen, was sich immer wieder an der Wahl meiner Männer zeigt, dennoch war er fähig - zumindest uns - aufrichtig zu lieben. Mein Vater hätte und würde noch heute alles für uns tun. Ich muss dazu sagen, dass ich meinen Vater - bewusst - selten richtig betrunken gehen sehen habe. Er hat sein Trinkverhalten im Laufe der Zeit "angepasst"

Auch ist es so, dass mein Ex schon immer getrunken hatte (auch in der kennenlernsphase) ergo, und da fängt das Problem bei mir an! Dennoch war die Veränderung erst richtig zu bemerken, als Drogen mit ins Spiel kamen! Früher wollte er jede Minute bei mir sein (kam auch oft in der Pause, nur um mich 5 Min zu sehen), er war in der Kneipe, kam jedoch immer heim, kaum war ich weg, hat er sich gemeldet... Jedoch hat sich das mit dem wöchentlichen Drogenkonsum sehr geändert. Wahrscheinlich war es auch der Mischkonsum, der dann noch eine Rolle spielte. Es spielt jedoch auch keine Rolle mehr, die eine Seite gehört zu dem anderen und wie du schon sagtest - jeder Mensch muss selbst zur Einsicht kommen. Jedes Drängen und Flehen, hat es im Endeffekt noch schlimmer gemacht.

Aber auch da muss ich dir widersprechen. Auch ich muss mich reflektieren. Ich wusste worauf ich mich einlasse und ich habe versucht, ihn zu ändern.. und die Reibungen wurden von beiden Seiten schlimmer (ich immer besitzergreifender und hysterischer, er immer abweisender). Ich gebe dir Recht, ich muss mit mir ins Reine kommen und auch die Schuldfrage hinter mir lassen... Dennoch Schuld haben immer zwei. Ich hätte mich darauf gar nicht erst einlassen dürfen und da schon erkennen müssen, dass ich nicht - wie ich davon ausgegangen bin - in mir Ruhe.

Ich war eine kurze Zeit in einer Selbsthilfegruppe, und da habe ich gelernt, dass man eine höhere Macht als man selbst braucht. Ich habe seitdem aufgehört Fleisch zu essen, mein Fernsehen zuerst abgeschaltet und jetzt ganz weggegeben und werde auch ab nächsten Monat kein Auto mehr haben. Die Esoterik hilft mir gerade, mich mit mir auseinanderzusetzen und insbesondere über ich mich im Meditieren, um Ruhe zu finden. Und gäbe es dieses Forum nicht, hätte ich mich nicht so nett mit Dir unterhalten ;-)

ramalon
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Beitrag von ramalon » 24.09.2015, 10:35

Hallo Bifi82,

ich unterscheide Quartalssäufer und Alkoholiker.
In meiner Familie gab es auch einige Quartalssäufer, aber mit der Verantwortung gegenüber der Familie hatten sie den Konsum drastisch oder ganz eingestellt.

Dann gibt es die extrem Süchtigen, denen ist alles egal. Frau, Kinder. Familie usw.
Die haben auch alles und jeden angepumpt um an Geld für die Sucht zu kommen.
Der Mix von Alkohol und Drogen bringt diese Menschen absolut aus der Bahn, sie haben keine Kontrolle mehr über sich.
Sie leiden Teilweise unter Wahnvorstellungen.

Das schlimmste was ich je gesehen hatte, war, das ein Bekannter in der Ecke saß, panisch vor Angst, wirrer Blick. Besoffen und zu gedröhnt bis an die Ohren.

Das mit dem Einlassen. Eigenartiger Weise suchen sich einige Frauen immer die gleiche Art von Mann.

Meditation ist ein guter Weg und abzuschalten. Deine Ängste kannst du aber nur abbauen wenn du dich ihnen stellst.
Wenn Du gut bist im Träumen, hat auch etwas mit der Meditation zu tun, dann versuche Dich außerhalb des Traumes zu stellen.
Sei Beobachter Deines eigenen Traumes.
Klingt dumm und schwer, aber mit genug Meditation gelingt es dir vielleicht.
Das hilft ungemein Ängste abzubauen, da es Dich dann nicht direkt betrifft.

Ich bin kein Mensch für Gott, Engel, Geister, Wahrsager etc.
Ist nicht mein Ding. Meine Schiene ist die Meditation und mehr.
Es sind für mich alles seelische Krücken, an denen sich die Menschen festhalten.

Der menschliche Geist ist zu so viel mehr fähig. Nur er muss das laufen lernen ohne Krücken.
Es sind unsere Ängste die die Macht über uns haben, nicht unser Geist.

Das was Du eine höhere Macht nennst, sind wir, es ist in uns. Man muss es nur unter dem ganzen inneren Müll finden.

Meditation, wenn es gut gemacht wird, ist wie eine Zwiebel schälen.
Alles nach und nach entfernen, bis das wahre ich, der Geist frei ist.


Gruß ramalon

Bifi82
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Beitrag von Bifi82 » 24.09.2015, 12:22

hallo ramalon,

also ich würde meinen Exfreund ursprünglich zur Kategorie "Quartalssäufer" zählen. Ein paar Tage komplett ohne Alkohol und dann richtig. Und genau dieser Typ ist meiner Meinung nach für sich selbst am schädlichsten. Sie sehen nicht ein, dass sie ein Problem haben, da sie "nicht jeden Tag" trinken. Mein Vater hat eher kontinuierlich getrunken, war jedoch selten richtig betrunken, jedoch muss das in frühester Kindheit auch anders gewesen sein.
Deswegen ist es auch nicht so verwunderlich, dass gerade Frauen sich den ein und selben typ Mann aussuchen. In der Kindheit wird man geprägt und die Kindheit begleitet einen das ganze Leben. Ich habe mich viel mit dem Thema auseinandergesetzt, da ich immer Partner hatte, die einen Hang zum Alkohol hatten, jedoch waren das eher "funktionierende" Alkoholiker, alle mit einem "guten" Job und einem geregelten Leben, auch gab es nie Gewalt oder Auseinandersetzung basierend auf dem Thema Alkohol.
Ich glaube auch nicht an Gott oder die Institution Kirche. ich glaube auch nicht, dass meine Wahrsagerin "hellsehen" kann.. Ich glaube eher daran, dass jeder Mensch über eine Intuition verfügt, ein Wissen, dass nicht "greifbar" ist. Die Karten zieht man selbst und diese deuten, was man schon ahnt. Es ist erschreckend, wie oft Sachen eingetroffen sind, aber wie Du sagst, die Wahrheit liegt in jedem Menschen selbst.

Aber kannst du mir vielleicht sagen, wie ich das Meditieren am besten lernen? Ich versuche mich seit zwei Monaten täglich daran und ich habe das Gefühl, dass meine Gedanken mich nach wie vor bestimmen! Ich habe das Gefühl, dass ich etwas verkehrt mache. Ich merke zwar, dass ich seither ruhiger werde und mir das Meditieren auch gut tut, aber dieses wirklich im Inneren sein, habe ich nicht geschafft und habe auch das Gefühl, dass ich weit davon entfernt bin.
Ich Besuche derzeit auch einen Yoga-Kurs, der jedoch eher auf die Straffung des Körpers, statt der inneren Ruhe abzielt :)

Ich wünsche Dir einen schönen Tag.
Viele Grüße Bifi

Minea
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Beitrag von Minea » 24.09.2015, 12:58

Liebe bifi,

auch ich habe einen Alkoholiker geliebt. Das ist lange her- und es war schlimm. Für uns beide. Auch mein Vater trank; nur war er kein liebevoller Mensch. Darum verband ich Alkohol nur mit herzlosen Menschen und lief blauäugig in diese Beziehung hinein.
Ich wurde über die Jahre Co-abhängig. Nicht vom Alkohol sondern davon, für diese Beziehung soviel Schutz wie möglich aufzubringen. Es galt einerseits ihn nach außen zu Deckeln und intern gab es vom Bitten bis zur Ankündigung der Konsequenzen die gesamte Palette. Lange redete ich mir ein, dass er ja nur "ein Bierchen" trinkt . So konnte ich blind bleiben für den ganzen Kasten und auch den Schnaps. Plötzlich hatte ich lauter neue Bekannte, deren tatsächlicher Sinn des Treffens ebenfalls nur Alkoholkonsum war. Ich war komplett fehl am Platz - das wusste ich - doch versuchte ich aus Liebe das Beste zu machen.
Dabei blieb in dieser Zeit meine eigene Entwicklung auf der Strecke.
alleine unsere Trennung dauerte 3 Jahre! Immer wieder ging ich zurück, doch wurden die Phasen zwischen Hoffnung und Erkenntnis immer kürzer. Er hat mich geliebt. Doch war die Königin Alkohol einfach stärker! Die forderte ein enormes Maß an Egoismus, sie machte, dass der Süchtige Wege finden muss, die Sucht zu (be)schützen und zu erklären.
Körperliche Gewalt gab es zum Glück überhaupt nicht ( entschuldige bitte, wenn ich bemerke, dass es kein "ein bisschen würgen" gibt).
Grenzen wurden jedoch haufenweise überschritten..
Erst im 3. Trennungsjahr konnte ich es schaffen, mich von der Rolle, die wir beide mir angedacht hatten, zu lösen. Auch ich blieb zuvor in der Gedankenschleife hängen - dachte an ihn, an uns - weil ich zum Zeitpunkt der Beziehung ja auch nichts anderes als das gemacht hatte! Ich begann es auszuhalten, mich nicht mehr zu fragen, was und mit wem er gerade was auch immer macht. Konnte mich endlich auf mich konzentrieren und lernte, den Schmerz zu ertragen.
Es liegt zum Glück hinter uns. Er lebt inzwischen mit einer Trinkerin zusammen und ich glaube, dass er mit ihr zufriedener ist, als damals mit mir. Tagsüber gehen sie zur Arbeit und ihre Freizeit verbringen sie in Kneipen oder ähnlichen Orten. An den Wochenenden können sie dann viel viel mehr und vor Allem gemeinsam trinken. Genau dort hin musste ich damals aber kommen. Es aushalten, dass wir beide falsch gewählt hatten. Ich glaube, dass es auch in seinem Leben heute halb so viel Tränen gibt - und das ist doch was Gutes!
Ich bin noch heute nicht in der Lage, mich in Gesellschaft sich betrinkender Menschen aufzuhalten. Sowas bedrängt mich einfach zu sehr. Als ich in diesem heißen Sommer unterwegs meinen jetzigen Partner fragte, ob wir uns ein eiskaltes Bier teilen wollen, war er genauso überrascht wie ich von mir. Er lehnte ab und wir kauften uns ein anderes Erfrischungsgetränk.
Was ich aus der Beziehung mit dem Alkoholkranken gelernt habe, ist wertvoll. "Die Hölle", das sind ewige Widerholungen. Heute erkenne ich das schnell.
Auch du bist den Ausstieg aus dem Hamsterrad wert.

Liebe Grüße und alles Gute und Kraft,

wünscht dir Minea

Bifi82
Alter: 37
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Beitrag von Bifi82 » 24.09.2015, 13:24

Hallo Minea,

danke für deine eigene Geschichte. Ja die liebe Co-Abhängigkeit. Leider spielt dieses Thema auch bei mir eine große Rolle. Ich lebte auch nur noch für ihn. Freunde, Arbeit und eigene Interessen werden zurückgestellt. Man traut sich nicht später heim zu kommen, aus Angst er geht sonst in eine Kneipe und taucht erst wieder Mitten in der Nacht auf. Ich sehe es aber ähnlich wie Du, jede schlechte Erfahrung ist auch ein Chance an sich zu reifen. Ich dachte immer nur, er bräuchte Hilfe, ohne zu sehen, dass auch ich hilfebedürftig bin (sonst hätte es zu einer Situation nicht kommen können bzw. ich in einer solchen Situation nicht so lange ausharren können).
Mit (ein wenig) würgen, meinte ich auch, dass er mich nicht ernsthaft dabei verletzt hat. Dennoch war für mich zu diesem Zeitpunkt klar, dass nun die letzte - von hunderten - Grenzen überschritten war. Die Situation war für mich so surreal, dass ich handeln "musste". Es hört sich vielleicht komisch an, aber vielleicht war es auch gut so! Wer weiß, wie lange ich das Leben sonst noch so weitergeführt hätte.
Es freut mich, dass Du scheinbar jetzt einen Partner gefunden hast, der dich versteht und auf dich eingeht. Ich weiß auch jetzt für mich, dass ich bei meiner nächsten Partnerwahl - die ich erst mal in weiterer Zukunft sehe - auch auf kleinere Aspekte eher achten werde. Eins habe ich nämlich wirklich gelernt, man kann keinen Menschen ändern, so sehr man es sich auch wünscht.

Glg bifi

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